Free the web
Wir haben beschlossen, den Internet Explorer zu boykottieren. Warum? Ein Blick auf die Entwicklung kann zur Erklärung beitragen:

IE1 - 1995 erscheint die Anwendung als kostenpflichtiges Addon exklusiv nur für Windows 95-Nutzer. Weder diese Version des Pluspakets, noch der Browser als Einzelanwendung lässt sich auf anderen Windowsversionen installieren. Bilder und andere Medien konnte das gut 1 MB große Programm noch nicht wiedergeben.
Erst die Folgeversion 1.5 ließ sich danach auch auf anderen Windowsversionen installieren. Sie erschien nur fünf Monate später im Januar auch für Windows NT, aber auch diesmal noch nicht in einer 16-Bit-Version.

IE2 - ist die Neuerung die Bilder anzeigen kann. Kostet aber immer noch 100,- DM. Ein halbes Jahr nach Veröffentlichung wird der Browser kostenlos angeboten.

IE3 - Da die neue Version des IE noch immer nicht mit der Entwicklung und den Standards anderer Browser mithalten kann, wird mit einem kostenlosen Webzugang geworben. Obwohl es CSS bereits seit 1993 gibt, und 1996 bereits das Update auf CSS1 stattgefunden hat, beherrscht der IE CSS nur rudimentär. Dafür kann man den IE wenigstens nicht mehr ohne weiteres deinstallieren, aber es geht noch.

IE4 aus dem Jahre 97 arbeitet erstmals mit einer (leider nicht vollständig implementierten) PNG-Anzeige. Leider hat die Weiterentwicklung von Skripten (mittlerweile ist CSS auf dem Standard CSS2) ohne Microsoft stattgefunden, weshalb der Browser auch hier schon wieder eklatante Mängel und Sicherheitslücken aufweist. Dafür wurde dafür Sorge getragen, dass der Browser sich nun nicht mehr deinstallieren lässt, ohne massive Eingriffe in das Betriebssystem. Backdoor-, Trojaner- und Keylogging-Tools gehören bereits zu den festen Bestandteilen des Browsers. Wozu dienen diese? Microsoft benutzt persönliche Daten zur Marktforschung. Aber was sind persönliche Daten? Dateien aus dem Web, gespeicherte Cookies, die Liste der besuchten Seiten, Passwörter, Formulardaten und jeder einzelne Tastenklick, den man auf seiner Tastatur macht. Dazu gehören intime Geheimnisse genauso wie Bank-Zugangsdaten. Wie schreibt George Orwell in seinem Roman "1984" noch so bezeichnend? Big Brother is watching you.

IE5 und IE5.5 befassen sich bei der Veröffentlichung 1999 wieder nicht mit der generellen Weiterentwicklung des Internets. Während 1998 bereits von HTML auf XML optimiert wird, arbeitet der "neue" Internet Explorer ein Jahr später noch ausschließlich mit der veraltenden Websprache. Und obwohl CSS im Jahr 2000 auf das nächste Level, CSS3 emporgehoben wurde, dümpelt der IE noch mit den mittlerweile "in die Jahre gekommenen" CSS-Standards von 1993 herum. Und das, obwohl CSS3 mittlerweile die weltweit im Web meist genutzte Skriptsprache ist. Zu den W3C-zertifizierten Sprachen, Entwicklungen und Sicherheitsrichtlinien entsteht eine immer größer werdende Kluft. Schon längst müssen Webseiten zweigleisig programmiert werden, wenn sie in allen Browsern, also auch dem IE, möglichst gleich dargestellt werden sollen.

IE6 - 2001 wird die letzte eigenständige Version des IE für XP entwickelt. CSS1 wird endlich unterstützt (CSS1 gibt es seit 1996). XML-Fähigkeiten werden erweitert. Das Entwickler-Team wird aufgelöst. Der IE soll nur noch als Bestandteil von Vista weiterentwickelt werden.

Der Browser wird im übrigen seit 2010 von Google und YouTube nicht mehr unterstützt. Im März 2011 startet Microsoft auf der CEBIT den Countdown für IE6, um die Nutzerquote auf unter 1% zu bringen. Der Support wird eingestellt. Ab diesem Zeitpunkt wird in allen anderen Browsern der Welt die Nutzung von Vektorgafiken eingeführt und unterstützt. Microsoft boykottiert diesen Schritt.

IE7 - auf Grund der sinkenden Marktanteile wird nun doch wieder ein Entwickler-Team zusammengestellt. Ende 2006 erscheint die Version 7 für Windows XP mit automatischer Installations- und Re-Installations-Routine. Der Browser lässt sich nur noch mit explizit dafür hergestellter Software dauerhaft deinstallieren, und damit die Spionage-Tools, die automatisch mit installiert werden. Immerhin wird die Unterstützung von CSS2 (gibt es seit 1997, also seit knapp 10 Jahren) und von PNG-Transparenzen (ist bereits seit 1996 W3C-Empfehlung) erweitert.

IE8 - in der Version von 2009 sind die Analyse-Funktionen (Keylogger, etc...) weiterentwicklet. Erstmalig wird ein veralteter Browsertest bestanden. Allerdings schneidet bei einem damals aktuellen Browsertest der IE nur mit 20 von 100 Punkten ab. Vektor-Standards werden nach wie vor nicht berücksichtigt, CSS ist immer noch auf dem alten Stand (13 Jahre hinterher). Webseiten die nach aktuellen Standards programmiert werden, sind quasi nicht mehr korrekt darstellbar und müssen nach wie vor zweigleisig für die veralteten Microsoft-Standards programmiert werden. Microsoft gibt bekannt, dass mit diesem Browser der Support beendet wird. Zukünftige Versionen stehen nur noch für Nutzer von Vista und Windows 7 zur Verfügung.

IE9 - im März 2011 erscheint die neue, nur auf Vista und Windows 7 funktionierende Version des Browsers. Seit 10 Jahren werden erstmalig Vektorgrafiken unterstützt. Seit 11 Jahren wird endlich CSS3 unterstützt, jedoch mit Einschränkungen.

IE10 - bereits einen Monat später wird die Version 10 angekündigt. Diese soll übrigens nur noch Windows 7-Nutzern zur Verfügung stehen. Erste Test-Downloads laufen bereits. Natürlich nur für Microsoft-Kunden der neuesten Generation.

Windows 7 - ab 70,-€ sind Sie dabei. Aber nur als Privatanwender. Als Firma muss man mit Preisen um 250,-€ pro Lizenz schon ganz schön tief in die Tasche greifen. Und das für einen Browser, der es schafft, den aktuellen Standards über 10 Jahre hinterherzuhinken? Dessen Hersteller mehr Zeit damit verbringen Tools zu perfektionieren die ihre Nutzer ausspionieren, als sich an weltweite Sicherheitsstandards zu halten?


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